-> Den Lehrer im Paradies treffen?

Mit seinem Sterben – so wurde uns vermittelt – hat Jesus uns von der Erbschuld erlöst, die wir in uns tragen, weil Adam und Eva die Erbschuld in die Welt gebracht haben.

Aber: Warum sollten alle Menschen zeitlebens eine derart diffuse Schuld in sich tragen wegen eines Fehlverhaltens, das zwei Personen vor immens langer Zeit begangen hatten? Und wenn doch Jesus anscheinend für uns gestorben war und uns von der Erbschuld erlöst hatte, warum waren dann nicht alle, die nach Jesu Tod geboren wurden, im Paradies?

Und was ich ebenfalls rätselhaft fand an der Geschichte von Adam und Eva: Wenn Gott ihnen gesagt hatte, sie dürften alles Mögliche tun, aber nur das eine nicht. In diesem riesigen Paradies von diesem Baum keine Äpfel essen. Wieso taten sie genau das, wenn sie doch so viele andere Möglichkeiten gehabt hätten? Und mich ärgerte schon damals die Feigheit Adams, der sich rausredete, indem er betonte, Eva habe ihm den Apfel gegeben.

Als Kind war ich Adam und Eva aber dankbar dafür, nicht im Paradies zu leben, sondern in Einsiedeln. Wenn ich mir vorstellte: mit meiner Familie – alle nackt – durch das Paradies zu streifen und nach erlaubten Äpfeln Ausschau zu halten und dabei andere Nackte zu treffen? Nicht auszudenken, wenn ich dann meinen Lehrer, den Herrn T., nackt im Paradies sehen würde. Um Himmels Willen?!

Und sowieso hätte ich mir dann wenigstens gewünscht, dass das Paradies so beschaffen sein würde wie das Schlaraffenland, wo es nicht nur Äpfel gibt, sondern man sich unter Bäume legen könnte und Tschubatschup-Schleckstengel einem in den Mund fallen würden.

Das Paradies war für den Normalsterblichen also keine Option. Aber immerhin würden unsere Seelen nach dem  Tod in den Himmel kommen. Also sofern man einen Gott hatte. Denn da gab es ja noch die armen Heidenkinder, die nirgendwohin kommen würden.