Der Teufel wurde uns seinerzeit beschrieben als einer, der versucht, die Menschen mit fiesen Aktionen zu überlisten. Mein Bild des Teufels damals war weniger geprägt vom Religionsunterricht, sondern mehr von Geschichten wie beispielsweise der Teufelsbrücke. (Wer diese Geschichte nicht kennt, frage seine KI)
Und in dieser Geschichte taucht der Teufel auf als einer, der den Menschen ein bestechendes Problemlösungsangebot macht, und auch den Preis dafür nennt. Daraufhin die Menschen sich wissentlich und freiwillig auf sein Angebot einlassen, dann aber den Preis dafür nicht bezahlen wollen.
Im Fall der Teufelsbrücke schafften es die Menschen nicht aus eigener Kraft, eine Brücke über den stiebenden Steg zu bauen. Der Teufel anerbot seine Hilfe, forderte dafür aber das erste Menschenleben, das über diesen Steg gehen würde. Die Menschen liessen sich auf diesen Deal ein. Und als der Teufel seinen Teil des Deals erledigt, nämlich die Brücke gebaut hatte, versuchten sie ihn zu betrügen und ihren Teil der Abmachung zu umgehen, indem sie einen Ziegenbock über die Brücke schickten. Als der Teufel diesen Verrat bemerkte und im Zorn die Brücke zerstören wollte, war Gottes Hilfe nötig, um das Schlimmste abzuwenden.
Ich hatte einige Sympathien für den Teufel übrig, weil ich es nicht in Ordnung fand, wie die Menschen mit dem Teufel umgesprungen waren: Sie wollten zwar von ihm profitieren, dann aber den Preis dafür nicht bezahlen. Da war es doch verständlich, dass der Teufel wütend wurde. Für mich persönlich jedenfalls hatte der Teufel nichts Beängstigendes, weil ich mir dachte: solange ich mich nicht auf einen Deal mit ihm einlasse, habe ich auch nichts zu befürchten.
Im Religionsunterricht wurde uns erzählt, der Teufel könne beliebig Gestalt annehmen und sich überall verstecken, um die Menschen zu verführen. Ich versuchte mir vorzustellen, wo sich der Teufel versteckt haben könnte: womöglich im Sunnälädeli-Kiosk in einem Tschubatschub-Schleckstengel? Öhm… das machte keinen Sinn: Wenn dieser Teufel schon so berühmt war wie Gott, und als ebenso wichtig angesehen wurde, dann konnte ich mir nicht vorstellen, dass der sich mit so kleinen Sachen abgab wie in einem Kiosk Kinder zu verführen. Zumal sich der Sunnälädeli-Kiosk zuoberst an der Hauptstrasse, also sehr nah und mit direkter Sicht auf die Klosterkirche, befand. Also fand ich: der Teufel wäre ja wohl nicht sooo blöd, derart offensichtlich die Kinder zu verführen – wennschon, dann allenfalls beim Bahnhofkiosk im Unterdorf. Und eben: eher für grössere Vergehen als so etwas Lapidares wie ein Tschubatschub.